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Interview Klinik Management Aktuell

Klinik Management Aktuell, Mai 2002

Pflegemanagement im Niemandsland? Sebastian Köster, Diplom-Pflegewirt und Unternehmensberater im Gesundheitswesen, zum Selbstverständnis der Pflege, zu Fehlern in der Vergangenheit und Gegenwart und zur Perspektive des Berufsstandes in den Krankenhäusern.

KMA: Die allgemeinen Veränderungen im Gesundheitswesen erfordern von allen Beteiligten ein Überdenken des bisherigen Standpunktes, eine Neuorientierung. Die zahlreichen Versuche in jüngster Zeit, aufeinander zuzugehen, machen es deutlich. Ist hierbei vor allem auch die Pflege in der Lage sich politisch zu positionieren, zu agieren?

Köster: So bedauerlich das ist: Ich glaube, Pflege kann das heute noch nicht leisten. Die Begründung hierfür liegt im unzureichend definierten Selbstverständnis der Pflege. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, Kernproblem deutscher Pflege ist ein mangelhaftes Selbstbewusstsein. Das hat sie zwar nicht nötig, dennoch bleibt das Problem bestehen.

KMA: Woraus resultiert ein solches mangelhaftes Selbstbewusstsein?

Köster: Es resultiert aus einem relativ verschwommenen karitativen Selbstverständnis ohne berufspolitischenpolitischen Kontext. Die Pflege ist sich ihres Wertes über das Karitative hinaus nicht bewusst.

KMA: Marie Luise Müller, die Präsidentin des deutschen Pflegerates, erklärt, die Pflege sei schon seit 20 Jahren auftragsgemäß damit befasst, ihre Arbeitsstrukturen zu organisieren. Diese Auffassung wird bestätigt durch Dr. Matthias Angrè, den Mitinitiator der Bremer Reformwerkstatt. Nach dessen Auffassung ist die Pflege den Ärzten im Grund weit voraus in der Frage der Prozessoptimierung und der Organisation. Deswegen ist es verwunderlich, wenn Sie sagen, die Pflege beschränke sich auf ihre karitative Aufgabe.

Köster: Ich möchte hier ganz klar trennen zwischen einzelnen omnipräsenten Personen und der Pflege allgemein. Die Frage ist ja, wie identifiziert sich die Krankenschwester in der Versorgung eines Menschen mit den übergeordneten Zielen eines Verbandes. Der Organisationsgrad von Pflege ist sehr niedrig. Das deutet auf Zweierlei hin: Entweder interessieren politische und berufspolitische Entwicklungen ohnehin kaum Jemanden, oder man billigt den existierenden Verbänden nicht das Vertrauen zu, etwas bewegen zu können.

KMA: Können die Verbände denn derzeitig etwas bewegen?

Köster: Ohne Basis: Nein. Wenn man sich vorstellt, dass es in Deutschland über eine Millionen professionell Pflegende gibt, dann ist das eigentlich ein gewaltiges Potenzial, das man in die Waagschale werfen sollte. Das funktioniert aber nur, wenn die Basis und die wie auch immer geartete Führung zusammen arbeiten. Das Verständnis für ein notwendiges Marketing muss dem Stationspersonal von Seiten der Leitungskräften erst vermittelt werden.

KMA: Also scheint es hier bereits an einfachen Prozeduren zu mangeln.

Köster: Ich habe selbst des öfteren erlebt, wie schwierig es ist, beispielsweise einfach eine informative Fachzeitschrift für ein Haus zu bestellen, die man in mehreren Exemplaren auf den Stationen verteilen kann. So etwas geschieht nicht sondern wird eher noch unterbunden. Wenn Pflegende beginnen sich zu engagieren, dann ist eine klassische Folge die Blockade, sowohl innerhalb des eigenen Umfeldes als auch innerhalb der Berufshierarchie.

KMA: Worauf führen Sie das zurück?

Köster: Ich glaube, dass die Pflege auch hier ein mangelndes Selbstbewusstsein hat. Pflegedienstleistende sind nicht so strukturiert, dass sie sich hinter eine Fahne stellen. Dementsprechend verhält sich jeder als Einzelkämpfer, ohne das Gefühl zu entwickeln, Teil eines kraftvollen Ganzen zu sein.

KMA: Nach dieser Auffassung fehlt der Pflege in der Gesamtheit auch ein einheitliches politisches Selbstverständnis.

Köster: Richtig. Ei klassisches Merkmal hierfür findet sich beispielsweise in einer Art chronischer tradierter Nörgelei über Benachteiligung. Das heißt, es fehlt an attraktiven Verdienstmöglichkeiten, es gibt kaum Aufstiegschancen. „Ärzte werden sowieso immer bevorzugt. Wir verdienen viel zu wenig, wir sind immer noch ganz am Ende“, sind oft gehörte Äußerungen, die in dieser Form nicht mehr mit der Realität übereinstimmen. Das Gehaltsgefüge der Pflege ist mittlerweile durchaus durchschnittlich geworden. Vor 30 Jahren sah das sicherlich anders aus, da wurde die Krankenschwester sehr schlecht bezahlt. Darüber hinaus hat sich seit langem eine gewisse unterwürfige Haltung gegenüber Ärzten konserviert. Man steht dabei in einer gewissen Paradoxie. Auf der einen Seite sagt man: “Man muss den Ärzten ihre Tasse nachtragen und wird selbst behandelt wie Dreck.“ Auf der anderen Seite verhält man sich auch immer noch so. Das ist ein Kernproblem, und daraus kann sich natürlich auch keine politische Handlungsweise entwickeln.

KMA: Und Politisierung im Sinne einer Protesthaltung?

Köster: Ich halte das nicht für sehr realistisch. Es gibt zwar immer einige Wackere. Aber es gibt auch das geflügelte Wort, dass die Guten die Pflege verlassen.

KMA: Ist das nicht auch ein Hinweis auf eine gewisse Protesthaltung, die aus beruflicher Frustration resultiert? Pflegekräfte wandern mittlerweile weniger als Ärzte in die Managementbereiche ab.

Köster: Eine solche Frustration ist sicher vorhanden. Führungspositionen in der Pflege sind finanziell in der Regel nicht besonders attraktiv. Aus dem BAT- oder KR- Gefüge auszubrechen, ist nur wenigen Pflegedienstleitern oder Pflegedirektoren möglich. Das bedarf auch wieder der persönlichen Initiative. Von daher sehe ich keinen großen finanziellen Anreiz darin, in der Hierarchie nach oben zu steigen. Es ist zum Teil vielleicht tatsächlich das Bewusstsein, man möchte etwas verändern. Allerdings bemerke ich bei meinen ehemaligen Kommilitonen durchaus auch später wieder die Frustration, wenn sie feststellen, wie immer noch blockiert wird, wenn sie denn einmal die entsprechenden Positionen erreicht haben.

KMA: Und wer blockiert dann?

Köster: Wenn die Pflege in ihren klassischen Positionen verbleibt, dann wird sie in der Regel von einem Management wie Geschäftsführung oder Verwaltungsleitung oder auch von den Ärzten behindert. Wechselt die Pflegedienstleitung dann ihr Verständnis in eine Richtung, wohin es sich meiner Meinung nach entwickeln muss, nämlich in ein wirtschaftliches Denken und Handeln, um daraus letztlich auch ein politisches Bewusstsein ableiten zu können, denn nur, wenn ich wirtschaftlich denke und handele, werde ich meine Leistungen versuchen, fest zu schreiben und aufzuzeigen , nur dann werde ich versuchen meine Qualität auch darzustellen, dann wird sie tragischerweise oft aus dem eigenen Berufsstand geblockt und durchaus auch gemobbt.

KMA: Wiederspricht dem nicht die Tatsache, dass zunehmend Pflegedienstleistende in die Managementbereiche vordringen ? Wenn man die Negativentwicklung kennt, wird man doch solche persönlichen Veränderungen gar nicht erst beginnen.

Köster: Hier spielt unkenntnis auf beiden Seiten eine wesentliche Rolle. Managementstudiengänge sind offensichtlich trotz ihrer relativ langen Existenz so „neu“, dass sie oftmals immer noch nicht ausreichend bekannt sind. Wenn ich zu einem Einrichtungsbetreiber gehe und mich als Pflegemanager vorstelle, dann weiß ich, dass ich gleichzeitig auch erklären muss, was das denn nun eigentlich ist. Und auch hier haben wir wieder die Segmentierung der Pflege, die sich bisher nicht zu einer einheitlichen Berufsbezeichnung durchringen konnte. Zum Beispiel vergibt Rheinland-Pfalz für Studenten der Fachrichtung Pflegemanagement den Titel „Diplom-Pflegewirt“, für Studenten der Fachrichtung Pflegepädagogik den Titel „Diplom-Pflegepädagoge“. Das halte ich für sehr sinnvoll. In Hessen hingegen gilt, unabhängig von der Studienrichtung Wissenschaft, Management, Pädagogik und Pflege in jedem Fall der Abschluss „Diplom-Pflegewirt“. Da werde unterschiedliche Richtungen über einen Kamm geschoren, die das Bild sehr verzerren. Das ist klassisch für Pflege. Jeder gründet seinen eigenen Verband, jeder geht seinen eigenen Weg, statt einheitliche Kräfte in eine Richtung zu entwickeln.

KMA: Was sind die Beweggründe für Pflegende, sich in Richtung anderer Aufgaben als der ursprünglich karitativen zu orientieren?

Köster: Für viele liegt der Grund darin, dass sie nicht mehr am Bett arbeiten möchten, Veränderungen suchen und dennoch der Pflege verbunden bleiben wollen. Statistiken belegen, dass in den letzten Jahren die Zahl der Pflegenden in den Krankenhäusern bei steigenden Fallzahlen zurück gegangen ist. Das heißt, der Aufwand für den einzelnen innerhalb der Einrichtung steigt. Wenn allerdings die Arbeitsbedingungen nicht gleichzeitig angepasst werden, wenn nicht die Arbeitsmittel zur Verfügung stehen, um diesen Mehraufwand leisten zu können, wird die tägliche Arbeit sehr frustrierend. Wenn Pflegende darüber hinaus nicht einmal mehr Geld für ihre Mehrarbeit erhalten, ist jede Motivation schnell dahin. Hier sind vor allem die Leitungskräfte in der Pflege gefordert, Abhilfe zu schaffen, denn klärende Gespräche mit einem Verwaltungsleiter kann ich von der Krankenschwester und dem Krankenpfleger nicht erwarten.

KMA: Immer mehr verantwortliche in den Kliniken plädieren dafür, in Zukunft müsse es um eine multiprofessionelle Arbeitsweise gehen, um Teamarbeit ohne feste hierarchische Strukturen. Würde eine solche Veränderung nicht auch die Pflege sehr aufwerten?

Köster: Nicht zwangsläufig. Grundsätzlich ist der Ansatz natürlich begrüßenswert, denn die Zukunft des Gesundheitswesens liegt in der Ausbildung von Netzwerken., die primär Wissensnetzwerke und damit zugleich Professionennetzwerke sein werden. Pflege wartet oft darauf, dass von außen eine Aufwertung geschieht, vergisst allerdings, dass sie selbst etwas dafür tun muss. Pflege muss zunächst ihre eigene Position definieren, die sie dann nach außen vertritt. Nur so kann sie in einem Team wahrgenommen werden. Wenn wir hingegen auch in Zukunft erneut die Situation haben, dass sich Pflegende einer überholten Hierarchie gegenüber Ärzten und Verwaltung unterwerfen , in der täglichen Arbeit ebenso wie in strukturellen Planungen, dann hat Pflege nichts gewonnen.

Köster: Ja, das ist eine Aufgabe.

KMA: Damit liegt eine wesentliche Perspektive für die Pflege in einer neuen Definition ihrer selbst, ihrer Aufgaben und deren Umsetzung?

Köster: Pflege hat tatsächlich viel Vorarbeit geleistet, was Organisationsentwicklung angeht. Pflege sollte sich allerdings auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie diese Arbeit wirklich geleistet hat, um das Selbstbewusstsein, das zukünftig nötig ist, zu entwickeln. Pflege kann jetzt schon grundsätzlich hervorragend Personalmanagement betreiben, sollte sich krankenhausbetriebswirtschaftlich allerdings noch fortbilden. Wenn Pflege es schafft, zu einem Case-Manager zu werden, können auch führende Pflegekräfte Schlüsselpositionen in den Krankenhäusern besetzen., indem sie es schaffen, andere Berufsgruppen an einen Tisch zu bekommen und als Moderator, als Manager fungieren. Hier verfügt die Pflege über eine hervorragende Qualifikation.

Interview: Michael Zaddach